Zwischen Meinen Ohren – David Eger, Orangerie München
30.10.26 – 01.11.26Eröffnung:
29.10. 18:30
Ausstellungstext:
David Gerd Eger
„Zwischen meinen Ohren, hinter meinen Augen“ in der Orangerie im Englischen Garten 2026
Bereits in jungen Jahren formt sich Eger durch Zeichnung und Malerei sein Gegenüber. Der innere
Drang nach einer bildnerischen Sichtbarmachung der Seele, die sich im Wechsel von Dionysischem
und Apollinischen Sein, pausenlos im Gefühlsbad zwischen gesellschaftlichen Normen und innerer
Wahrheit an den Händen fasst, um durch eine Welt zu schreiten, in welcher doch die Frage nach der
Kopflosigkeit falsch beantwortet wird.
David Gerd Eger geboren 1985 in der Oberpfalz, studierte an der Kunstschule Sulzbach und später an
der Akademie der Bildenden Künste in Kolbermoor. 2024 schloss er dort als Meisterschüler von
Matthias Dornfeld ab. Er lebte in Berlin und heute in München, wo er als freischaffender Künstler und
Kunsttherapeut arbeitet.
Als ontologische Differenz beschreib Martin Heidegger das Seiende und das Sein. Hierin liegt die
absolute Existenz von allem, was sichtbar, als Ding oder als Wesen wie Tiere, Pflanzen und
Menschen erscheint, dem gegenüber, was das Sein im Wesenhaften formt und durch dies erfahrbar
macht.
David Gerd Eger fungiert somit als Vermittler zwischen dem Geistigen und Physischen. Er öffnet uns
die Tür zu einem Dahinter, Dazwischen und Davor. Durch seine Arbeit als Kunsttherapeut und
Künstler bewegt er sich signifikant an derer Schnittstellen, wo sich Gesellschaft bricht, stört, freut und
fühlt.
Wie ein Prophet zeigt er uns in seinen künstlerischen Werken eine Einschreibung von Dinghaftigkeit
wie Farbe, Leinwand, Gips und Medikamentenschachteln, die durch ihn eine Umkodierung in einen
magischen Kosmos erlauben. So streicht er fas zärtlich aus einer Reminiszenz heraus, die leeren
Schachteln von Medikamentenverpackungen mit Ölfarbe an und gibt ihnen somit eine neue
Bedeutung. „Was einst für Symptome, Diagnosen und das fragile Gleichgewicht des Körpers stand,
wird zu einer neuen Form: übermalt, verbunden durch Linien und Punkte, verdichtet zu Spuren eines
gelebten Lebens.“
Einmal mehr wird durch Egers Arbeiten das Hören zum Klang, der sich als Zeichensprache auf
seinem Körper wiederfindet.
Sein Werk umfasst Malerei, Objekt, Zeichnung und Skulptur. Auch sein Körper selbst wird als
Malgrund oder Abguss verwendet – zeigt Wunden und legt Narben frei. Blickt man auf die Hüllen der
Abdrücke seines eigenen Körpers, oder in die Gesichter seiner gemalten oder plastischen Figuren,
finden wir eine Heilung, Symboliken der Freiheit und des Friedens, wie auch eine lachende Mimik.
Schönheit als Chiffre, als Stellvertreter für Glaube, Liebe, Hoffnung.
Wir als Betrachtende werden dazu angehalten unsere Sichtweisen zwischen den Ohren und hinter
unseren Augen neu zu denken und zu entschlüsseln. Nicht als Antwort, die die Gesellschaft hören
möchte, nicht als Zwang, der auf jedem von uns liegt, sondern als ein Ja, das eine Öffnung impliziert,
welche die Fragen nach Bekanntem neu verwebt und ein Netz aus Figuren, Abstraktion, Linien und
Flächen generiert. Hier entsteht eine Resonanz von Kunst, Psyche und sozialem Raum.
So widerlegt Eger die Zuschreibungen von Geschlecht, Rollen und Maskerade. Seine Nacktheit ist
Mensch, sein Körper die Zeichnung, sein Sein; das Universum. Hier liegt für ihn die Schönheit. Das so
sein. Durch und mit seinem Körper und seinen Emotionen wird Bild zu Bild, Objekt zu Form und
Körper zu Abbild. Mal spielerisch, mal impulsiv. Der Kopf in Egers Darstellung ist keine Medusa, er
ruht stets auf dem Körper, der Seele immanent.
„Zwischen mir und mir“ – Alles steht Kopf – Inside Out. Lass Dich verführen mit Alice im Wunderland!
Sonja Allgaier
Ort:
Orangerie
Englischer Garten 1A
80538 München
David Eger